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Weinkollegium Koenigliches Kelterhaus auf Fahrt



Das Weinkollegium Boppard führte eine Tagesfahrt an die Mosel durch. Die Herren Hildenbrand und Oehl hatten dafür ein interessantes Programm vorbereitet.

Erste Station war Karden, wo Regierungsschuldirektor a.D. Hans Herdes durch den Dom, das Stiftsmuseum und den Stiftsbezirk führte. Für viele der Teilnehmer war die große kirchengeschichtliche Bedeutung dieses Stiftes neu, welches um das Jahr 900 errichtet worden war. Es hatte 24 Kanoniker und somit die vierfache Zahl wie Boppard. Da diese Zahlen auch von den zur Verfügung stehenden Stiftsgütern abhängen, kann man entsprechende Schlüsse ziehen. Als um die Wende vom 9. zum 10. Jhdt. das Erzbistum Trier in Verwaltungsbezirke, sogenannte Archidiakonate gegliedert wurde, da wurde Karden der Sitz eines Archidiakons, nicht etwa Koblenz, das aber ebenso wie Boppard zu dessen Bezirk gehörte. Diese Bedeutung endete erst mit der Aufhebung des Stiftes durch Napoleon.

In der Kirche aus dem 12./13. Jhdt. bekamen wir neben vielem anderen auch Fresken mit reicher originaler Farbfassung und als weitere Besonderheit einen Hochaltar aus gebranntem Ton gezeigt. Gut erkennbar ist auch noch der Stiftsbezirk mit einigen der erhaltenen Stiftshäuser. Das älteste, die Probstei, stammt aus dem frühen 13. Jhdt.. Die fachlich hoch qualifizierten und vorbildlich vorgetragenen Ausführungen von Herrn Herdes zeigten viele Parallelen zur Bopparder Severuskirche auf und fanden große Anerkennung. Auch sein Hinweis, dem „Martberg“ einmal Aufmerksamkeit zu schenken, wird sicher aufgegriffen werden. (Auf dem Martberg zwischen Karden und Pommern befand sich seit dem 1. Jhdt. v. Chr. ein keltisches Heiligtum von überregionaler Bedeutung, welches dem Hauptgott der Treverer, Lenus, gewidmet war, aber auch ein Tempel, der dem römischen Gott Mars geweiht war. Die Verschmelzung von Kelten und Römern wird hier sichtbar.)

Bei der folgenden Weinprobe in seiner stilvollen „Vinothek Pomaria“ in Pommern zeigte der Winzer Bruno Fuchs, dass die Mosel hervorragende Weine zu bieten hat, neben den Rieslingen z.B. auch von der Chardonnay – Traube. Bei dieser Probe wurde deutlich, dass der Betrieb sicher zu recht eine große Zahl von Preisen errungen hat. Ein gutes Essen im Schloss-Hotel in Karden gab die notwendigen Kräfte für den weiteren Ablauf. In Moselkern präsentierte Frau I. Scholz das Historische Rathaus (1535), das zu den ältesten an der Mosel gehört. Die Gemeinde konnte es erst vor nicht allzu langer Zeit wieder aus Privathand erwerben mit den Gegenständen, die der Besitzer als Sammler zusammengetragen hatte, eine wahre Vielfalt.

Abschluss und sicher auch Höhepunkt der Fahrt waren die Kellerführung und die Weinprobe im Weingut Richard Richter in Winningen. Schon die Probe der ersten Weine im „großen Gewölbekeller“, der durch eine große Zahl von Kerzen eine festliche Stimmung erzeugte, beeindruckte die Teilnehmer. Bei der weiteren Probe, ergänzt durch eine vorzügliche Winzervesper, belegten Claus?Martin und Thomas Richter mit ihren Ausführungen und mit der Art der Darstellung überzeugend, dass ihr Weingut mit Recht zu den besten Betrieben an der Untermosel gezählt wird. Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass sie einen gelungenen Tag erlebt hatten.

Hans – Hermann Oehl